"Reizdarmbeschwerden durch Fruktose"

"Fruktose verursacht häufig Reizdarmbeschwerden"

"Reizdarmbeschwerden durch Fruktose"

Herr Dr. Thon, Sie haben lange Jahre Erfahrung als Internist und Gastroenterologe. Seit wann beschäftigen Sie sich mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten?

Ich beschäftige mich seit ca. vier Jahren intensiv Nahrungsmittelunverträglichkeiten und dabei insbesondere mit der Fruktosemalabsorption. Dazu kam ich mehr durch einen Zufall, als ich 2007 bei einem jungen Patienten eine Fruktosemalabsorption als Ursache für die bei ihm seit vielen Jahren bestehenden bis dato unerklärbaren Bauchbeschwerden diagnostiziert habe und sah, dass bei ihm die Umstellung auf eine fruktosereduzierte Ernährung nachhaltig geholfen hat.

Sie haben sich des Themas dann angenommen und selbst geforscht?

Ja, das ist richtig. Ich habe daraufhin die von mir in den vorausgegangenen Jahren betreuten Patienten mit Reizdarmsyndrom, denen ich bislang, trotz umfassender diagnostischer und therapeutischer Bemühungen nicht effektiv helfen konnte, nochmals zum H2-Atemtest auf Laktose und Fruktose einbestellt. Die Ergebnisse habe ich 2008 auf einem medizinischen Fachkongress präsentiert. Seitdem engagiere ich mich für dieses Thema.  

Was waren die Ergebnisse Ihrer Untersuchung?


Wir haben im Rahmen der Untersuchung den H2-Atemtest bei 58 Patienten mit einem bereits diagnostizierten Reizdarmsyndrom sowohl mit Fruktose als auch mit Laktose durchgeführt. 34 der Patienten (59 %) reagierten positiv auf Fruktose, 18 der Patienten (31 %) auf Laktose und 13 der Patienten (22 %) reagierten auf beides. Eine fruktosearme Ernährung führte bei den meisten Patienten zu einer deutlichen und nachhaltigen Verbesserung ihrer Symptome.

Ca. jeder 5. Patient in Ihrer Untersuchung zeigte sowohl eine Fruktosemalabsorption als auch eine Laktoseintoleranz. Muss man dann beide Kohlenhydrate meiden?

Die nicht unerhebliche Zahl von Patienten mit kombinierter Intoleranz ist bemerkenswert. Um eine Beschwerdebesserung zu erreichen, müssen sich so Betroffene fruktose- und laktosearm ernähren.

Wie viele Menschen haben insgesamt in Deutschland eine Fruktosemalabsorption?

Es gibt keine gesicherten Zahlen zur Prävalenz der Fruktosemalabsorption. Das liegt u. a. daran, dass die Aufnahmefähigkeit von Fruktose auch bei Gesunden sehr variabel ist. Dazu kommt, dass der H2-Atemtest für Fruktose noch nicht standardisiert ist. Als Experten schätzen wir heute jedoch, dass rund 30 Prozent der Erwachsenen in Deutschland Schwierigkeiten mit der Verstoffwechselung von Fruchtzucker haben.

Viele Betroffene berichteten, dass es lange dauert, bis eine Nahrungsmittelunverträglichkeit diagnostiziert wird?


Vielen Ärzten ist der Stellenwert von Nahrungsmittelunverträglichkeiten bei Patienten mit Reizdarmbeschwerden bis heute nicht bekannt, so dass sie dementsprechend auch nicht adäquat berücksichtigt werden. In den letzten Jahren sehen wir jedoch eine stärkere Sensibilisierung von Laien und Ärzten für das Thema, so dass häufiger „daran gedacht“ und somit eine Fruktosemalabsorption diagnostiziert wird. Es besteht meiner Einschätzung nach jedoch immer noch viel Bedarf an Aufklärung und Sensibilisierung.

Privatdozent Dr. Hans-Joachim Thon beendete im Februar 2010 seine Tätigkeit als Chefarzt der Abteilung Innere Medizin am St. Josef Hospital in Bonn aufgrund Erreichens der Altersgrenze. Seither ist er als niedergelassener Facharzt tätig.

Priv.-Doz. Dr. med. Hans-Joachim Thon
Praxis für Innere Medizin und Gastroenterologie
Poppelsdorfer Alle 19
53115 Bonn

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