„Bewegung macht widerstandsfähiger und ausgeglichener“

Mehr Bewegung

Interview mit Michael Schmelzer, Personal Trainer und CEO der clubsportif AG - www.clubsportif.de

Wie  wichtig ist körperliche Bewegung für unsere Gesundheit?

Wir brauchen Bewegung. Sie ist für unseren Körper beinahe genauso wichtig wie die Aufnahme von Sauerstoff,  Flüssigkeit und Nahrung. Mit regelmäßiger körperlicher Aktivität  können wir unsere Körperfunktionen positiv beeinflussen und unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden verbessern.  Bewegung fördert die Durchblutung und erhöht den Sauerstofftransport. Heute ist bekannt, dass sich durch regelmäßiges Ausdauertraining z. B. das Risiko koronarer Herzkrankheiten reduziert und ein erhöhter Blutdruck gesenkt werden kann.  Darüber hinaus wirkt sich regelmäßige Bewegung auch positiv auf die Körperzusammensetzung aus. Der Fettanteil sinkt, Muskeln werden aufgebaut. So erhöht sich der Energieverbrauch, die Energie wird schneller und besser umgesetzt, der Glukosestoffwechsel ist ausgeglichener und Fettsäuren werden schneller verarbeitet.

Sport macht doch auch gute Laune?

Ja. Im Grunde kann man sagen, dass Sport wie ein Antidepressivum wirkt. Sport macht gute Laune und macht ausgeglichener. Das funktioniert über eine höhere Dopamin- und Serotoninausschüttung undeine Regulierung des Stresshormons Cortisol. Bei Kindern kann man das sehr gut beobachten. Wenn sie sich bewegen, haben sie Spaß.

Wie kommt es dann, dass es trotzdem so viele „Sportmuffel“ gibt?

Das liegt zu einem großen Teil an unserer Erziehung. Bis Kinder in die Schule kommen, bewegen sie sich meist regelmäßig und die Bewegung macht ihnen Spaß. In der Schule werden sie dann immobilisiert, d. h., bis auf den Sportunterricht, lernen Kinder den ganzen Tag zu sitzen. Das setzt sich bis in den Erwachsenenalltag fort. Bewegung hat dann nicht mehr den Stellenwert, den sie haben sollte. 

Erst in den letzten Jahren gibt es wieder einen  Trend zu mehr Sport. Das sehen Sie z. B. an den vielen Magazinen und Büchern, die zum Thema Gesundheit und Fitness auf dem Markt sind. Dass es diese Entwicklung gibt, hat sicher auch damit zu tun, dass Krankenkassen oder auch Unternehmen sich dem Thema heute angenommen haben. Denn Menschen, die sich wenig bewegen und auch ansonsten keinen gesunden Lebensstil führen, haben ein erhöhtes Risiko chronisch krank zu werden. Da kann jeder selbst etwas gegen tun.

Ist es besser, drinnen oder draußen zu trainieren?

Mein Tipp: nach draußen gehen und sich an der frischen Luft bewegen. Das ist völlig unabhängig von der Jahreszeit möglich. Wichtig ist nur auf die richtige Kleidung zu achten, die atmungsaktiv ist und Feuchtigkeit abhält. Spüren Sie den Wind, die Sonne, die unterschiedlichen Temperaturen und entwickeln Sie wieder ein neues Körpergefühl. Durch Sonnenlicht wird die Bildung von Vitamin D im  Körper aktiviert, infolgedessen auch die Bildung von weißen Blutkörperchen angeregt und die Infektanfälligkeit gesenkt wird.

Wie soll man mit dem Training anfangen, wenn man lange keinen Sport gemacht hat?

Ich empfehle, mit einer moderatenBelastung zu beginnen, die einem fast vorkommt, als  würde man keinen Sport machen. Nach und nach sollte dann die Intensität  gesteigert werden. Wer lange keinen Sport mehr gemacht hat, sollte dabei genau auf seinen Körper achten, um herauszufinden, bei welcher Trainingsintensität man sich wohl fühlt und wo die eigene Belastungsgrenze liegt?

Besonders wichtig sind dabei die Pausen. Sie dienen der Regeneration. Viel hilft nicht unbedingt auch viel. Besser ist es, gezielt und richtig zu trainieren.Hier kann man einiges von den Profisportlern lernen. Sie machen ihre Sportart wie Ski fahren oder Rudern und absolvieren darüber hinaus Ausdauer-, Kraft-, Koordinations- und Regenerationstraining. Gezielte Kräftigungsübungen helfenihnen dabei, Verletzungen vorzubeugen. Sie sollten auch für Freizeitsportler zum Bewegungsprogramm dazugehören – natürlich abhängig von den persönlichen körperlichen Voraussetzungen.

Für diejenigen, die länger keinen Sport gemacht haben oder die ihre Trainingsintensität erhöhen wollen, empfehle ich eine präventive medizinische Untersuchung, um möglichen Überbelastungen vorzubeugen.

Was kann man gegen den inneren „Schweinehund“ tun?

Es dauert mindestens sechs bis zwölf Monate bis man das neue Verhalten, also mehr Bewegung im Alltag, verinnerlicht hat. Um diesen Punkt zu erreichen, ist es wichtig regelmäßig zu trainieren und Frustration zu vermeiden. Nehmen Sie sich lieber nur ein mal die Woche Training vor und schaffen das dann auch, als dreimal die Woche und Sie schaffen tatsächlich aber nur ein Training. Darüber hinaus ist es immer einfacher Aktivitäten auch weiter zu verfolgen, die Spaß machen oder die mit dem Partner oder Freunden zusammen gemacht werden können. Aber, davon sollte man sich auch nicht abhängig machen. Haben alle anderen keine Lust zum Sport, machen Sie schnell auch keinen mehr....oder suchen Sie sich einen professionellen Coach und Trainer, wäre ja auch eine Idee..

Ich empfehle, mit sich selbst Termine zu vereinbaren. Also statt zu sagen, ich gehe heute laufen, besser zu sagen, ich gehe heute um acht Uhr laufen. Es macht außerdem Spaß, einfach mal zu laufen, zu rennen, zu sprinten oder spazieren zu gehen, um die Freude an der Bewegung wiederzuentdecken. Das bringt mehr Wohlbefinden und Ihre Leistungsfähigkeit steigt.